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Freitag, 1. Februar 2013

"Bierdeckel"-Schaltungen mit dem Chromebook

Wer selber Ingenieurwissenschaften studiert (hat) oder Bekannte in diesen Kreisen hat, kennt das Szenario: nach dem dritten (oder manchmal auch fünften) Weizenbier werden reihenweise Bierdeckel mit krakeligen Schaltungsentwürfen vollgekritzelt - entweder um zu zeigen, wie ein Problem gelöst wurde oder um schnell noch eine neue Idee zu erklären. Aber auch der Hobbyelektroniker freut sich über die Möglichkeit, am Bildschirm (ob zu Hause oder unterwegs) unkompliziert Schaltungen entwerfen zu können. Für diese Fälle (und viele mehr) gibt es bereits eine Lösung in der "cloud": CircuitLab:



Die wichtigsten Bauelemente sind dabei (man kann auch zwischen US- und EU-Symbolen wählen), die Bedienung ist schnell erlernt und darüber hinaus kann man die Schaltungen auch noch "testen". Die zu belegende Schaltungs-"Fläche" ist auch für größere Pläne ausreichend:



Darüber hinaus kann man die Pläne speichern, drucken, teilen und als Grafiken/PDF exportieren - z. B. in das Google Drive.

Natürlich genügt das Programm nicht professionellen Ansprüchen: es gibt nur einen Satz nicht erweiterbarer Standardsymbole, bei komplizierten Schaltungen wird es recht schnell unübersichtlich und auch mit dem "Testing Tool" lässt sich nur ersehen, ob alles halbwegs sinnvoll verdrahtet ist - ob die Plan auch wirklich seinen Zweck erfüllt, erfährt man da nicht.

Trotzdem ein sehr schönes Tool und aufgrund seines "cloud"-Ansatzes besonders nützlich für den Zeitvertreib unterwegs.


Freitag, 25. Januar 2013

Fotos bearbeiten mit dem Chromebook

Ob nun für die eigene Webseite oder weil man die aktuellen Schnappschüsse bei Facebook, Picasa oder Flickr zeigen möchte - gerade unterwegs, wo man ja am häufigsten zum Fotografieren neigt, sollte es doch schnell und einfach möglich sein, Fotos zu bearbeiten und in die Cloud zu stellen. Das geht auch wunderbar mit dem Chromebook - Internetverbindung vorausgetzt (was im Ausland durchaus zu Problemen führen kann dank der an mittelalterliche Zollstationen erinnernden UMTS-Roaming-Gebühren; allerdings wird WLAN schon von sehr vielen Hotels angeboten und oft funktioniert es auch gut genug). Falls die Kamera nicht als Standard-USB-Medienspeicher anschließen lässt (proprietäre Kameratreiber gibt es für Chrome OS natürlich nicht) gibt es noch die Möglichkeit des SD-Kartenslots des Chromebook oder eines USB-Kartenlesers im Fall eines exotischeren Kartenformates (hallo, Sony!!). Auch wenn die 16GB des Original-Chromebooks kein ausuferndes Foto-Archiv aufnehmen können - zum Bearbeiten und Hochladen von ein paar hundert Bildern reicht das locker; wir brauchen ohnehin nur dass JPG-Format. Es gibt zwar die Möglichkeit, die RAW-Dateien einer Kamera online mit go2convert in JPG-Dateien umzuwendeln - dies ist aber natürlich nicht mit der Qualität von RAW-Convertern in professioneller (desktopbasierter) Foto-Software zu vergleichen und auch nur sehr selten der kamera-eigenen JPG-Konvertierung überlegen, so dass dieser zusätzliche Schritt nur in Ausnahmefällen (hallo, Sigma!!) Sinn macht.

Die bekannten Fotodienste haben zumeist sehr einfache, aber effektive Bearbeitungswerkzeuge - das reicht für ein schnelles Zurechtschneiden und Helligkeit/Kontrast anpassen, wie hier in Picasa:

Für eine aufwändigere Bearbeitung empfiehlt sich aber ein Tool wie pixlr, das sogar mit 3 verschiedenen Bearbeitungsmodi (Advanced/Efficient/Playful) dienen kann, die entsprechend der Bearbeitungsart optimiert sind. Hier finden sich alle grundlegenden Funktionen und einer von diversen Bildbearbeitungsprogrammen bekannter Aufbau:

Die so bearbeiteten Fotos können dann wieder lokal auf dem Chromebook gespeichert und dann in den Fotodienst der Wahl (oder eine eigene Webseite) hochgeladen werden. Darüber hinaus empfiehlt es sich natürlich, Sicherheitskopien der Kamera-Dateien auf einem USB-Stick o. ä. abzulegen - auch als praktischer "USB-Kopierer" erweist sich das Chromebook als sinnvolles Gerät im Alltag.


Webseiten bearbeiten mit dem Chromebook

Menschen mit Chromebook sind als überaus "netzaffin" zu bezeichnen - schliesslich besitzen sie ein Gerät, was ohne Internetverbindung ähnlich produktiv ist wie ein Palmpilot aus dem Jahr 2000. Daher kann man auch davon ausgehen, dass viel davon eigene Webseiten betreiben und diese auch "von unterwegs" bearbeiten möchten. Es gibt aber keine brauchbaren FTP-Clients für Chrome OS und HTML-Editoren, die mit lokalen Daten arbeiten können erst recht nicht. Also muss die Bearbeitung direkt auf dem Server erfolgen. Bei vielen Webservern schon inklusive, aber auch relativ unhandlich ist "Confixx", ein File-Manager mit eingebauter Editor-Funktion. Falls der Server aber nicht damit ausgestattet ist oder man z. B. ein identische Oberfläche für viele Webserver verwenden möchte, macht eine server-unabhängige Lösung mehr Sinn. Es gibt da verschiedene (kostenlose) Tools im Angebot, die sich in Funktionsumfang und Aufbau nur wenig unterscheiden. Am ausgereiftesten sind dabei net2ftp und txftp, die "unter der Haube" identisch sind und sich nur durch ein unterschiedliches Oberflächendesign unterscheiden.

Zuerst folgt der Login auf den Webserver per FTP:






und dann gelangt man in einen Verzeichnisbaum, durch den man zu den zu ändernden Dateien navigieren kann. Neben der Editor-Funktion sind natürlich auch noch die grundlegenden Datei- und Verzeichnisoperationen möglich sowie die Bearbeitung von Zugriffsrechten:





Damit lässt sich zwar nicht komfortabel ein komplettes Web-Projekt auf die Beine stellen, aber Bearbeiten und Austauschen bzw. Hinzufügen von Dateien gehen schnell von der Hand und so kann man problemlos auch von unterwegs Fehler korrigieren oder neue Code-Schnipsel schnell mal testen.

Noch deutlich umfangreicher ist ShiftEdit - mit klassischer Editor-Aufteilung (links Verzeichnisbaum und rechts der Dateiinhalt) und der farblich entsprechenden Hervorhebung der Syntax. Hier hat man es schon mit einem ausgewachsenen Editor zu tun, der sich auch hinter Desktop-Konkurrenten nicht zu verstecken braucht:



Allerdings sind hier die Ladezeiten bei einer suboptimalen Internetverbindung schon relativ lang und die kostenlose Version erlaubt nur eine gespeicherte FTP-Verbindung. Allerdings gibt es auch eine Menge an Keyboard-Shortcuts, so dass sich die 50$/Jahr kostende Premium-Version für diejenigen, die nicht nur mal ein paar Zeilen Code anpassen wollen, sondern wirklich Webseiten online erstellen wollen, durchaus lohnen - es gibt auf diesem Niveau auch keine Alternative.

Dienstag, 20. November 2012

Technik, die begeistert?

Ein Samsung Chromebook war für einen Tag das meistbestellte Technik-Produkt bei Amazon.com. Nach eineinhalb Jahren Chromebook-Geschichte hätte wohl niemand mehr damit gerechnet. Hat sich doch inzwischen gezeigt, dass Chrome OS zwar die Innovationskraft eines Apple-Produktes besitzt, aber noch lange nicht dessen Massentauglichkeit. Man hat weit nach vorne gedacht und dabei vergessen, dass nur wenige bereits so "online leben", dass lokale Daten und Dienste nicht mehr nötig sind. Aber es gab noch ein anderes Problem: das Preis-Leistungsverhältnis der ersten Samsung Chromebooks war bescheiden, zumindest auf dem Papier. So bekam man zum selben Preis mindestens ebenso schnelle Rechner mit Windows 7 - und wieso soll man nun ein Chromebook kaufen, wo man darauf dann vieles nicht oder nur sehr umständlich machen kann? Auch ich habe erst zugeschlagen, als das Chromebook bereits 30% unter den "Ausgabepreis" gefallen war und hätte es mir ohne einen ausgeprägten Technik-Spieltrieb wohl gar nicht erst gekauft. Erst beim Auspacken stellte man fest, dass Verarbeitung, Tastatur und Display (leider nicht das Touchpad) doch deutlich höherwertig waren als bei den Konkurrenzprodukten und es auch nach einem Jahr intensiven Gebrauch noch nicht knackt und knarzt. Auch der Akku ist über jeden Zweifel erhaben. Da hat Google zwar ein schönes Stück Technik mit-designt, aber nicht mit dem Gigahertz- und Gigabyte-vergleichendem Kunden gerechnet. Doch nun kommt der zweite Anlauf: nach dem großen Erfolg mit dem Nexus 7 gibt es nun auch eine Neuauflage des Chromebook nach der neuen Google-Devise "gute Technik zum Selbstkostenpreis". Für nur 249 USD erhält der amerikanische Kunde ein Netbook mit 11 Zoll-Display, USB 3.0, HDMI-Anschluss und einem schnelleren Prozessor als dem doch auf Dauer nicht optimalen Atom der "Serie 5". Für 80 USD mehr gibt es dann auch noch 3G support - was für ein Chromebook, das man auch außerhalb der eigenen 4 Wände benutzen will, essentiell ist. Doch das muss man gar nicht: in dieser Form ist das neue Chromebook mehr denn je eine Konkurrenz zum Tablet (auch ich habe damals beim Chromebook-Kauf gegen ein Android-Tablet entschieden). Denn eine gute Tastatur und die Möglichkeit, eine Maus anzuschliessen, machen das Chromebook viel produktiver als es ein Tablet je sein wird. Natürlich kann der "App Store" von Chrome nicht mal im Ansatz mit dem von Apple und Android mithalten, Spielernaturen bleiben zweifellos beim Tablet. Aber allein schon die Nische des "vielschreibenden Dauersurfers" ist gar nicht mal so klein und mit dem richtigen Preis wird Chrome OS zum ersten Mal außerhalb der "Geek"-Szene richtig wahrgenommen. Was natürlich auch uns Early Adopter freut, die hoffentlich von zukünftigen Updates auch profitieren werden (ich mein Dich, Android!!) - aufgrund der großen technischen Ähnlichkeit der bisher erschienen Geräte und der strengen Produktpolitik von Google bei Chrome ist allerdings zumindest für die nächsten 1-2 Jahre noch davon auszugehen. Die Sache hat allerdings wie üblich einen Haken: für Deutschland ist der neue Bestseller noch gar nicht angekündigt und nach dem Nexus-4/10-Desaster muss man davon ausgehen, dass Google hier in Zukunft sehr vorsichtig bei der Einführung neuer Geräte vorgehen wird...

Donnerstag, 25. Oktober 2012

Chromebook re-loaded?

Es war ein wenig still geworden um das Google Chromebook. Dass es keine "Killer-Applikation" wird war schnell klar, die Einschränkung auf "nur online" und "alles in der Cloud" sind nunmal noch nicht mainstream-tauglich (aber vielleicht in 2016?). Trotzdem benutze ich es auch noch immer fast täglich, wenn natürlich nicht exklusiv. Denn es hat immer noch einen Vorteil, den ich in 20 Jahren Computerei nicht gekannt habe - es braucht absolut keine "Wartung". Keine Installationen, keine langwierigen Updates, keine Hardware-Tuning. Chrome OS aktualisiert sich unmerklich selbst und läuft immer noch genau so schnell und stabil wie am ersten Tag. Und wird das wohl auch noch die nächsten Jahre so tun - es wird wohl mein Computer, den ich am längsten in Benutzung haben werde.

Das "Aura"-Update hat vieles verändert und einiges verbessert. Man hat jetzt eine Art "Desktop" statt dem einfachen Chrome-Browser-Fenster und das Agieren mit mehreren Fenstern ist jetzt intuitiver. Wobei auch die gnadenlose Schlichtheit des" Hier ist Dein Chrome, jetzt leg los!"-Ansatz auch seinen Reiz hatte. Ich muss zugeben, dass mein erster Klick nach dem Start eigentlich immer gleich auf's Chrome-Symbol geht und ich dann nur noch seltenst in die Desktop-Ansicht zurückgehe - aber wenigstens gibt es jetzt 2 Möglichkeiten, mit dem Chromebook zu arbeiten. Und ganz nebenbei: Chrome OS hat die schönsten mitgelieferten Desktop-Hintergründe ;-).

Ein Notebook für alle Einsatzzwecke ist das Chromebook aber auf keinen Fall, hier nur ein kleiner Überblick über Dinge, die man nicht mit dem Chromebook machen kann oder unanständig umständlich sind:

- Videobearbeitung (außerhalb von Youtube)
- Bildbearbeitung (alles außer JPG)
- Audiobearbeitung
- Drucken (ohne Cloud-Print kompatiblen Drucker)
- Präsentationen/Grafiken erstellen


...und natürlich alles, was eh nur von Spezialprogrammen abgedeckt wird, bei mir zum Beispiel vernünftiges topographisches Kartenmaterial und die Simulation von Gitarrenverstärkern.

Und dazu kommt, dass alles, was mit Multimedia zu tun hat eine besonders hohe Übertragungsrate erfordert - auch im Upload. Da werden die mickrigen Upload-Raten bei DSL zum Nadelöhr und ist die UMTS-Quote schneller aufgebraucht als man denkt. Aber hier kann man hoffen, dass das in Zukunft noch besser wird - auch wenn der LTE-Zug natürlich nicht mehr erreicht werden kann. Im Moment macht das Chromebook zweifelsohne am meisten Spass in einem Firmennetzwerk mit schnellem WLAN.

Doch Google ist nach wie vor von Chrome OS überzeigt und bringt in den USA (Deutschland mal wieder ungewiss) ein neues Chromebook mit Samsung heraus. Diesmal zum deutlich konkurrenzfähigeren Preis von 249$ (das alte kostete ursprünglich 449$, Google verfolgt seit dem Nexus 7 eine aggressivere Preispolitik), der auch der etwas günstigeren Hardware (ARM-CPU statt von Intel) geschuldet ist. Das neue Chromebook ist aber keinesfalls leistungsschwächer als die bisherigen Varianten und hat sogar innovative Features wie USB 3.0 an Bord.

Das wird sicher nochmal die Nutzer-Basis von Chrome OS verbreitern und viele, denen das Experiment "in der Cloud" noch zu teuer waren, werden in den USA wohl zuschlagen. Heisst für die bisherigen Chromebook-Besitzer, dass das System wie versprochen weiterentwickelt wird und man nicht bereits ein Jahr nach dem Kauf symbian-mäßig im Regen steht.

Aber wie soll die Zukunft von Chrome OS dann aussehen?

1. Der Fokus bleibt weiter auf der "Cloud", dafür sind bereits 95% der notwendigen Features enthalten. Das heißt aber auch, dass keine innovativen Neuerungen mehr zu erwarten sind und Chrome OS weiterhin ein Nischenprodukt für "Online-Arbeiter" bleiben wird - immer mit der Gefahr versehen, dass Interessenten sich dann schlussendlich doch für ein Tablet (noch handlicher) oder ein klassisches Netbook (Installation von Programmen) entscheiden wird

2. Chrome OS wird in den Mainstream entwickelt. Dazu braucht es offline lauffähige Programme, z. B. die Apps des Android-Store oder, noch weiter gedacht, eine neue Evolution des Chrome-Store, in der Linux-Programme in "Chrome-Version" geladen werden könnn - also eine Art Chrubuntu. Der USB 3.0 Anschluss könnte so etwas schon vermuten lassen, da hier dann das Nadelöhr die geringe Kapazität des internen SSD-Speichers werden würde - zur gescheiten Bildbearbeitung müsste man dann eine schnelle Festplatte per USB anschliessen. So ein aufgeblähtes Chrome würde allerdings viele Vorteile des Ur-Chrome - schnelle Startzeit, Performance, Usability - aufgeben, und müsste sich dann direkt mit Windows-8 und Ubuntu messen lassen.

3. Man bietet 2 Welten an. Die eine bleibt das klassische Chrome OS "web-only", am besten sogar in der Ursprungsversion nur mit dem Chrome-Fenster. Zum "schnell mal schauen" im Web einfach ungeschlagen und für viele Zwecke ausreichend. Dann per Umschalter als virtuelle Maschine (oder als paralleles System) eine Chrome-Linux-Derivat für Offline und "richtige" Programme. Für den Nerd natürlich die optimale Variante, aber ob das für den Normal-User noch verständlich und intuitiv bleibt ist fraglich. Darüber hinaus könnte es dann als Linux+ empfunden werden und wahrscheinlich gegenüber "gereiften" Linux-Distributionen nicht jeden "Nerd-Bedarf" decken können.

Also quo vadis, Chrome OS? Auch in 3 Jahren noch das Nischensystem für die Webworker mit <1% Marktanteil? Ein "me too" OS für Google-affine Familien mit exorbitanten Entwicklungskosten (da wohl alle "Killer-Apps" von Google kommen müssten...)? Oder doch ein duales System für Nerds und Geeks, an dem diese dann doch wieder nach kurzer Zeit die Lust verlieren?

Vielleicht weiss es Google selbst nicht genau und erhofft sich vom neuen Chromebook weitere Erkenntnisse, wer Chrome OS warum braucht. Aber ich kann mir auch nicht vorstellen, dass Google noch lange bereit sein wird, in ein System zu investieren, dass irgendwie zwischen allen Stühlen sitzt. Und auch wenn Chrome OS viele (tausende) zufriedene Nutzer hat kann dies für Google nicht zufriedenstellend sein - hier kann das Ziel nur sein, noch viele (Millionen) mehr zu begeistern.

Wird an Chrome OS noch in 2014 gearbeitet? Ja, ich denke schon. Auch noch in 2016? Halte ich derzeit für sehr fraglich - aber wer weiss, vielleicht kommt ja noch die ultimative Killer-App und alles wendet sich zum Guten...




Freitag, 11. Mai 2012

Mehr Drive mit dem Drive?

Nach Google Plus jetzt also Google Drive. Wiederum eigentlich mehr Evolution als Revolution, ein paar neue Features, ein neues Erscheinungsbild und eine produktspezifische Marketing-Kampagne. Doch was schon in Google Docs "so halb" integriert war, ist nun erwachsen - Google als Datenspeicher. Das funktioniert nicht viel anders als bei anderen Anbietern auch, das UI im Web und auch die Sync-Tools (für Windows und Mac) sind best practice. Dazu kommt das bereits in Docs integrierte gute Freigabe-Tool. Die Killer-App, die das Google Drive von allen anderen Diensten unterscheidet, ist aber die Möglichkeit, die meisten Dateien im Web zu betrachten oder sogar zu bearbeiten. Man muss also nicht erstmal alles herunter- und wieder hochladen, sondern gerade als Viewer von Texten, Tabellen und Präsentationen hebt sich das Google Drive deutlich hervor. Das bedeutet dann z. B. auch, dass man Dokumente anderen zeigen kann - ohne dass sie sie verändern oder herunterladen können - groß!
Allerdings sehen sich Linux- und vor allem ChromeOS-User als Kunden zweiter Klasse - fehlt diesen doch bisher ein praktisches Sync-Tool, um on- und offline-Daten zu synchronisieren. Vor allem beim ChromeOS mit seinen bisher eher beschränkten Möglichkeiten, ein lokales Backup von Online-Dateien zu machen, würde das zu einer deutlichen Arbeitserleichterung (man ist ja nun doch nicht immer online) führen. Google beruhigt: soll kommen. Was beunruhigt: Google denkt das alles in die andere Richtung: "wenn man alles online ablegen kann, wieso dann überhaupt noch ein lokaler Speicher?" Also alles was man z. B. vom USB-Stick auf das Chromebook kopiert, landet sofort in der Cloud. Sicherlich zeitgemäß, aber auch immer praktisch umsetzbar und gewollt? Vielleicht sollte man einfach den Kunden entscheiden lassen: er definiert die Verzeichnisse, die synchronisiert werden sollen (wie es das Sync-Tool ja heute schon macht) und die, mit denen nur lokal gearbeitet werden soll (was ja auch die Arbeitsgeschwindigkeit deutlich erhöht). Je nach Vorlieben ist man dann also komplett in der Cloud, nur so halb, oder nur ein bisschen - aber vor allem produktiv.

Mittwoch, 29. Februar 2012

Was ist so toll an Google+?

Und heisst es denn jetzt "Google Plus", "Google+" oder "Google-+" oder doch "Google-plus"? Also die offizielle "Marke" ist Google+, da das "+" aber in URLs nicht dargestellt werden kann, wird man auch das ausgeschriebene "plus" immer mal wieder finden.

Nach anfänglicher Euphorie mehrt sich immer mehr die Ernüchterung, was die Nutzung von Google+, des "Facebook-Killer", angeht. Nur weil Millionen Menschen täglich auf Google-Seiten surfen und arbeiten heisst nunmal nicht gleich, dass diese sich sofort auf jedes neue Angebot stürzen. Die Reaktanz der Mehrheit in einem Netz, wo es schon alles gibt, Neues auszuprobieren, trifft das Start-Up genau so wie den Internet-Konzern. Und selbst die, die alles mögliche aus beruflicher oder privater Neugier im Netz ausprobieren, werden im Falle von Google+ feststellen, dass die bereits aufgebauten sozialen Netzwerke einen daran hindern, die neuen Möglichkeiten vollends auszunutzen. Denn genau betrachtet ist Google+ ein starkes Angebot, dass das "Online-Leben" viel einfacher gestalten würde - wenn alle Google+ in vollem Umfang nutzen würden. Im Gegensatz zum Schnellschuß/Rohrkrepierer "Buzz" ist Google+ kein "me too"-Produkt, sondern will bisher verteilte Angebote unter einen Hut bringen und das ist wirklich ein vernünftiger Ansatz.

Was ist an Google+ besser?
1. Die Kreise. Leider kein besonders intuitives Konzept, es sei denn, man setzt sich damit intensiv auseinander. Man muss unterscheiden in "posten" und "verfolgen". Beim Posten ist es wie mit Twitter und Facebook - nur dass man entscheiden kann, welche "Gruppe" (=Kreis) den Inhalt bekommen soll. Das macht sehr viel Sinn, wenn man z. B. international vernetzt ist und z. B. amerikanischen Kollegen keine deutschen Posts zumuten will, aber genau so wenig die deutschen Kollegen immer auf englisch ansprechen. Oder wenn man Familie, Freund und Kollegen unterschiedlich informieren möchte. Und genau so sieht es beim "Verfolgen" aus, man organisiert die Quellen in Gruppen, um die Datenflut zu bändigen. Es empfiehlt sich, mindestens 3 "Streams" (=Kreise) zu erstellen: private Kontakte (wie in Facebook), Meinungsführer (wie in Twitter) und Angebote (wie im RSS-Reader) - dazu gesellen sich dann noch Interessengruppen und sogar newsletter-ähnliche Angebote. Es gibt sogar bereits Tools, mit denen man direkt seine Google+-Posts in einem Blog veröffentlichen kann. Mit der Kreise-Technik kann man dabei auch immer post-spezifisch entscheiden, ob das "blog-würdig" ist oder nicht.

Ersetzt: Facebook, Twitter, Tumblr, RSS-Reader

2. Die Hangouts. So einfach waren Video-Chats noch nie - und die Funktion, nicht nur 1:1-Konversationen, sondern Konferenz-Calls im Browser spontan zu starten - egal auf welchen Systemen die Teilnehmer unterwegs sind, ist bahnbrechend.

Ersetzt: proprietäre Video-Conferencing Tools

3. Gmail "+". Neben der klassischen E-Mail-Anwendung (plus Organizer!) kann man seine Kontakte per Text-Chat, Telefon- oder Video-Anruf kontaktieren...und zwar egal, ob der Gegenüber am Desktop, Netbook oder einem Android-basierten Gerät sitzt. Man kann einen Chat am Android-Phone beginnen, am Chromebook fortsetzen und am Spiele (=Windows)-PC beenden. Und sobald man Gmail öffnet, bekommt man mit, wer sich wie auf welchem Kanal versucht hat, zu melden (ich warte noch auf ein Google-Gerät, um die Briefpost automatisch abzuscannen und in Gmail abzulegen).

Ersetzt: Skype, ICQ, MSN etc.

4. Suche "+". Durch das "+1", mit dem der Benutzer seine Verbindung zu allem möglichen im Netz (Seiten, Bilder, Blogbeiträge, Videos etc.) kundtut, hat Google nun eine Datenbasis für persönliche Vorlieben, die weiter über die Such-Historie hinausgeht. Natürlich ist diese "Datensammelwut" der "Datenkrake" nicht jedem geheuer, aber im Gegensatz zu Facebook hat der Nutzer davon einen großen Vorteil: bessere Suchergebnisse (auch wenn diese Optimierungen noch im Anfangsstadium sind). So werden zum Beispiel in der Produktsuche wohl bald die Anbieter am Anfang stehen, denen der Google+-Nutzer "+1" gegeben hat. Wer AMD "+1" gegeben hat, wird bei der Suche nach "Grafikkarte" erstmal AMD-bezogene Ergebnisse bekommen. Das alles zu verknüpfen und richtig zu gewichten wird natürlich dauern und auch ungewollte Ergebnisse produzieren (man denke an die berühmt-berüchtigten Produktempfehlungen von Amazon). Und auch hier kann man kritisieren, dass eine Suche, die sich nur nach persönlichen Vorlieben orientiert, vielleicht zu "gefällige" Ergebnisse bringt, aber es liegt nun mal an jedem selbst, in seinem Suchverhalten aktiv über den Tellerrand hinauszuschauen - Google will keine Horizonte öffnen, sondern den Benutzer möglichst schnell zu einem für ihn sinnvollen Ergebnis bringen.

Ersetzt: klassische Websuche, Preisvergleichssuchmaschinen

Und dazu sind diese Killer-Anwendungen noch nahtlos miteinander verbunden (und auch mit den anderen Google-Diensten) und komplett browserbasiert (da lacht das Herz des Chromebook-Users!) - was will man mehr? Ganz klar, die Verbindung zu den bisherigen Platzhirschen Facebook und Twitter - so lange man dort sich besser informiert fühlt, ist Google+ nur ein Klotz am Bein und dem durchschnittlichen User auch beim besten Willen nicht schönzureden. Da sieht man denselben Effekt wie beim "Office": so lange fast alle Firmen klaglos MS-Office bei allen ihren Mitarbeitern installieren, werden nur wenige Libre/Open Office oder sogar Google Text&Tabellen ausprobieren. Nur gut, dass Google dank seiner sprudelnden Werbe-Einnahmen einen langen Atem beweisen kann...denn schlussendlich ist der Google-Weg der richtige (wenn es natürlich auch immer Alternativen geben sollte), nur bis sich die Vorteile soweit rumgesprochen haben wie beim Chrome-Browser (der auch erst Jahre in Deutschland vor sich hin dümpelte), dürfte es noch eine ganze Weile dauern....

Nachtrag: Google hat die Problematik anscheinend selbst auch schon erkannt und einen erklärenden TV-Spot zu Google+ produziert (leider noch nicht öffentlich), der zumindest meine Punkte 1 + 2 anspricht. +1! ;-)